Das feiern ma!

Am kommenden Donnerstag muss die Welt – und Gott sowieso- für ein paar Stunden auf unser mittelhessisches Städtchen hinauf- bzw. hinabblicken, denn ein gigantisches Fest ist bei unsereins angesagt. Echt jetzt, mit Sektempfang, kleinen Häppchen und schicken Sonntagskostümen, denn- ^^drumroll^^ meine Großeltern feiern ihre Diamantene Hochzeit: 60 Jahre in einiger Zwietracht.

Da sitzen wir also, vorglühenderweise, in froher Erwartung der Partygesellschaft

… bestehend aus der Bürgermeisterin der Stadt und ihrem Gefolge, der heimischen Presse, sowie dem katholischen und evangelischen Pfarrer. Und während es Blitzlichter und Segenssprüche hagelt, werde ich belustigt über die Tatsache nachdenken, dass meine Großeltern von einem solchen Aufriss und von Besuch im Allgemeinen etwa ebenso viel halten wie die pressegeile Hotelerbin einer Luxuskette von einem eitrigen Pickel auf ihrer Nase.

Besonders hervorzuheben ist die Fortschrittlichkeit der katholischen  Kirche, ihren Senf, äh Segen zum Anlass dazuzugeben, nachdem sie weit über 50 Jahre die beleidigte Leberwurst gespielt und durch Abwesenheit geglänzt hatte (körperliche, nicht geistige).

Dies mag schon nachvollziehbar sein, denn schließlich hatte meine evangelische Oma damals wenig Lust gehabt, sich katholisch trauen zu lassen. So dackelte sie mit meinem katholischen Opa zum Priester, um sich die offizielle Erlaubnis für eine protestantische  Zeremonie einzuholen. Nachdem sich dieser erbarmt hatte, dem Wunsch meiner Großeltern nachzugeben, holte er sich das hoch und heilige Versprechen ein, dass alle aus der Ehe hervorgehenden Kinder katholisch getauft werden sollten. Was tat nun meine gewitzte Oma? Sie brachte die ersten beiden Kinder im evangelischen Krankenhaus zur Welt und ließ sie kurz nach der Geburt dort taufen. Keine Feier, kein Kuchen, Hauptsache nicht katholisch.

Einige Jahre später erschien der Priester bei meinen Großeltern, um seine Schäfchen zu sich zu holen. Alles was er erntete waren verzweifelte, weinerliche Kinderaugen, deren Träger im Duett „Wir wollen nicht katholisch werden!“ schrien.


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