Ein Stück Vergangenheit

Der Keller:

Ein lebloser, dunkler und etwas gruseliger Ort, scheinbar abgetrennt von der Außenwelt, dem Rhythmus des Lebens. Ein schwarzes Loch im Labyrinth der Zeit. Hier verschwinden Gegenstände, die keiner will oder braucht, hier werden Erinnerungen vergraben, die zu hässlich sind, um sie mit sich herumzuschleppen oder so schön sind, dass ihre alltägliche Präsenz zu starke Sehnsüchte wecken würde.

Und manchmal liegen im Keller auch die Schicksale fremder, mitunter lange verstorbener Menschen verborgen. Dann verwandelt er sich in einen Ort, an dem die Vergangenheit aus den Geschichtsbüchern heraustritt und beginnt, real zu werden. Wir verbeugen uns ehrfürchtig vor dem Leben, der Zeit, entsetzen uns über das Maß an Grausamkeit, das Menschen einander zufügen können, beteuern, dass sich dieses graue Kapitel der deutschen Geschichte nie wiederholen wird, so inbrünstig, dass wir beginnen, unsere eigene Lüge zu glauben, und fassen am nächsten Tag den Entschluss, unsere Erinnerungsstücke künftig nur noch auf dem Dachboden zu lagern.

 

Kellerraum im Mehrfamilienhaus

 


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