Archiv der Kategorie: Alltag

Begegnung

Meine Augen kleben an deinen Lippen, die Verständnis ausdrücken.

Du umschmeichelst mein Wesen mit allem was du bist und wenn der neue Tag anbricht

werde ich nicht mehr wissen, ob das alles real war oder nur eine Phantasie.

Und dies sind die Worte, die ich dir unbemerkt ins Ohr geflüstert hätte

wenn ich für einen kurzen Moment die Zeit hätte austricksen können.

Und jetzt schreibe ich sie in Gedanken in den Wind.

Weiß, dass sie dich nie erreichen werden

und dass eine Begegnung nie wieder das gleiche in mir auslösen könnte

wie in dieser Abendstunde, als deine Seele mir Vertrauen zuzwinkerte.

Ich liebe dich, ich liebe dich, nur für diese Sekunde,

in der ich den Atem der Freiheit auf meiner Haut spüre und vergesse,

dass die Zeit den Rhythmus des Lebens vorgibt.

Dies sind die Worte, die ich dir unbemerkt ins Ohr geflüstert hätte,

Ich liebe dich, ich liebe dich, nur für diese eine Sekunde.

Diese Tür hat der Wind der Zeit zugeschmettert,

abgestorbene Blätter legen sich wie traurige Erinnerung auf die ausgetrocknete Erde,

 eine andere Tür hat sich geöffnet und es wird nie wieder so sein, nie wieder so sein

wie in dieser einen Sekunde als ich dich liebte mit allem was ich zu sein hoffte und nicht war.

Jetzt stehe ich an der Türschwelle zu einem neuen Abschnitt und warte darauf,

dass du mich zurück zu dir ziehst und mich in deine schützenden Arme fallen lässt.

Doch du bist nicht da, kannst nicht die Sehnsucht in meinen Augen ablesen.

Und dies sind die Worte, die ich dir unbemerkt ins Ohr geflüstert hätte,

wenn ich für einen kurzen Moment die Zeit hätte austricksen können.

Ich liebe dich, ich liebe dich, nur für diese eine Sekunde.

Das Gefühl vergeht, aber die Erinnerung bleibt.

Ich liebte dich, ich liebte dich, nur in dieser einen Sekunde, als ich die Zeit austricksen konnte.

Und es kein Morgen mehr gab.


Berliner Frühling

Der Berliner Frühling kommt verhältnismäßig spät. Er hat seinen eigenen Rhythmus, so wie fast alles hier. Du bist nie alleine, selbst an den verborgensten Orten nicht, deine Ideen gehören nie ganz dir, haben immer Vorreiter und Nachahmer. Manchmal passiert es, dass du den Startschuss nicht hörst und sich eine Horde von Menschen bereits dort versammelt hat, wo du auf ein bisschen Ruhe und ländliche Idylle gehofft hattest. Der Geruch von frisch gegrilltem Nackensteak steigt in deine Nase, Federbälle oder Fußbälle fliegen dir entgegen, Kindergeschrei betäubt deine Ohren, herumtollende Hunde bringen dich fast zu Fall und du fragst dich ganz ernsthaft, was die Menschenmassen bitteschön in deinem Lieblingspark zu suchen haben. Dann kommt die plötzliche Eingebung, dass die Stadt Berlin, die, im Gegensatz zu dir, nie zur Ruhe kommt, dir im Schlaf deine Ideen stibitzt und du nie mit ihr Schritt halten kannst, so sehr du es auch versuchst.

Ein kleines gemütliches Café, sagen wir in Kreuzberg, bleibt nicht lange unentdeckt. Hast du dich gestern noch über die familiäre Atmosphäre, die akkuraten Preise, die freundliche und schnelle Bedienung und die bequeme Sitzgelegenheit gefreut, kann es passieren, dass ein spitzfindiger Journalist dein kleines Kuchenparadies als Geheimtipp in einem Berliner Magazin veröffentlicht und es zum Menschenmagneten avanciert. Der Schuss ist gefallen, du hast ihn gehört, laut und deutlich, und weißt, dass du dir eine neue Anlaufstelle für ruhige Stunden suchen musst, wenn du dich nicht vom Strom der Menge mitreißen lassen willst. Manchmal will ich das, unter Menschen sein, unter Fremden, mir Geschichten über sie ausdenken, die ich aus aufgesammelten Gesprächsfetzen zusammenflicke. Ich lausche ihrer Stimmen, versuche herauszufinden, wo sie herkommen, mustere sie von Kopf bis Fuß, nur um festzustellen, dass meine Observationen immer auf die eine selbe Frage hinauslaufen.

„Was hat dich nach Berlin getrieben“, höre ich mich leise sagen. Dann bin ich wieder still, breite eine Zeitung auf dem Tisch aus, lese ein paar Zeilen, blicke von der Lektüre mit einem verstohlenen Grinsen auf und freue mich, hier zu sein, in meinem Berlin, das täglich sein Gesicht wechselt und mir dennoch so vertraut ist.


Pollen schwirren wie Träume durch die Luft, landen auf der Erde und werden wieder aufgeschleudert, als ich mir den Weg zu einem verwinkelten Bereich des Treptower Parks freikämpfe. Der verlassene Karpfenteich glitzert in der Sonne, lädt zum Baden ein. Ich tauche meine Fußspitzen darin ein, lasse sie im Takt der Wellen tanzen und verspüre das Bedürfnis, ganz im Wasser zu versinken, fast so, wie ich in dieser Stadt versunken bin. Seit ich hier wohne, habe ich vergessen, wann das Träumen aufhört und das Leben beginnt. Alles fühlt sich authentisch und doch surreal an.

Plötzlich, bevor der Plan, nach Berlin zu ziehen, aus den Kinderschuhen schlüpfen konnte, hatte ich meine alten Möbel verkauft oder verschenkt, meinen Mitbewohnern herzzerreißende Abschiedsworte hinterher gerufen, mir das Nötigste unter die Arme geklemmt und fand mich auf Umzugskisten sitzend in einem kleinen WG-Zimmer in Alt-Treptow wieder.

Was mich nach Berlin gezogen hat, kann ich nicht genau sagen. War es die Idee einer Stadt, in der jeder seinesgleichen findet und die Entfaltungsmöglichkeiten schier unerschöpflich scheinen? Die Sehnsucht nach etwas Neuem, für das es sich zu kämpfen lohnen würde? Die Einsicht, Altem nicht hinterher zu trauern? Oder der Wunsch, die Vergangenheit systematisch zu verdrängen? Vielleicht ist das Leben so banal, dass man seinen Handlungen nichts Heroisches, Symbolträchtiges, märchenhaft Verklärtes nachweisen kann. Vielleicht tun wir alles im Leben aus einer inneren Notwendigkeit heraus, die keinen Spielraum für Kreativität lässt. Ich habe aufgehört, mich über meine Entscheidungen zu wundern, und angefangen, zu realisieren, dass ich Teil einer Masse bin, die ihre mit Ideen und Hoffnungen gefüllten Koffer nach Berlin schleppt und auf das kleine bisschen Glück setzt. Alle diese Menschen verändern täglich das Bild der Stadt und lassen Berlin zu einer Insel der Zuflucht, einem Asyl für Träumer werden, das so viele Wahrheiten beherbergt wie es Einwohner zählt.

Meine Wahrheit liegt auf dem Dachboden meiner Eltern unter alten Schulheften vergraben. Als ich das Gefühl hatte, dass man mir den Boden unter den Füßen wegreißen wollte, klammerte ich mich an diesen alten Erinnerungen fest und begann mich zu fragen, welcher Teil meiner Kindheit noch in mir lebendig ist und welcher gestorben war. Der Blick schweifte flüchtig auf eine Mappe, die das Wort „Kreatives“ zierte. Ich begann mich in die Geborgenheit meiner geschriebenen Worte einzulümmeln und friedlich einzuschlafen. Am nächsten Morgen musterte ich noch einmal die Gravur meines Verlobungsringes, legte ihn in eine Schachtel und wies ihr den Platz zu, den bis zum Tag zuvor meine Romanskizzen okkupiert hatten. Dann packte ich etwas Geld, Verpflegung und die nötigsten Klamotten ein und lief zum nächsten Bahnhof, um ein Ticket nach Berlin zu lösen. Ich verschickte 10 Kurznachrichten mit dem Wortlaut „Ich ziehe nach Berlin“, schaltete sofort darauf mein Mobiltelefon aus und grinste in mich hinein, als mir die Worte „jetzt oder nie“ über die Lippen glitten.

Der Zug fuhr langsam aus dem Bahnhof. Ich fühlte mich befreit und verspürte im selben Moment eine Angst, die ich so noch nicht kannte. Meiner Gegenwart beraubt schwebte ich im luftleeren Raum zwischen Vergangenheit und Zukunft, unsicher, was der nächste Tag, die nächsten Wochen und Monate bringen würden. Ich wusste, dass es an der Zeit war, etwas Neues zu schaffen, mein Potential auszuschöpfen und den Weg zu gehen, den ich mich die ganzen Jahre nicht zu gehen getraut hatte. Es gab keine Geborgenheit mehr, in die ich mich hätte begeben können, um das Leben abzuschotten und das Ticken der Zeit zu ignorieren. Es gab kein Zurück. Ich war entwaffnet und doch nie zuvor so sehr ich selbst wie in diesem Moment, in dem mein blanker Überlebenswille das Ruder übernahm. Ich hatte den inneren Kampf gegen den Teil von mir, der aufgeben und sich an die Vergangenheit klammern wollte, überstanden. Jetzt musste ich noch das Leben überstehen.


Wo ist das Teeei geblieben?

Die Hochzeitsfeier des frisch vermählten Ehepaares Schreiben- Zwiebelfisch wurde von unangenehmen Zwischenfällen überschattet. Zunächst musste sich die nervlich angespannte Braut Wilma schiere Unverschämtheiten von ihren Schwiegereltern anhören. Dabei hatte sich die junge Frau solche Mühe gegeben, bei der Familie ihres frisch Angetrauten mit ihrem Charme und intellektuellen Auftreten zu punkten. Nun machte dieses eine Wort, das unmissverständlich auf ihre Person bezogen war, alle Bemühungen der letzten 5 Jahre zunichte. Für den Rest des Abends rang Wilma sprichwörtlich nach Atem, suchte den Hochzeitssaal nach einer Sauerstoffflasche ab, während das Wort „Seeelefant“ wie ein Brandmal auf ihre Stirn geschrieben war.

Inbrünstig hoffte sie darauf, dass die Zeit schneller vergehen würde und sie noch eine Weile die Contenance bewahren könne. Sie umarmte und küsste ihren Mann Ernst leidenschaftlich, um sich ein wenig in seiner Geborgenheit zu wähnen, während sie ihm zärtlich ins Ohr flüsterte, wie sehr sie sich auf die gemeinsame Hochzeitsreise, die Schifffahrt zu den Hawaiiinseln, freue. Dann erschien die Schwiegermutter wie aus dem Nichts und machte sich daran, die romantische Stimmung  restlos zu zerstören. Sie schob Wilma an ihre Seite heran.

„Entschuldige, mein Liebes. Aber ich muss wegen einer dringenden Angelegenheit mit dir sprechen. Apropos, wenn du willst, darfst du mich jetzt auch duzen, also ich meine das lässt sich ja nicht vermeiden, wo du nun mit meinem Sohn verheiratet bist. Apropos, wann wollt ihr eigentlich Kinder und geht das überhaupt bei deinem Gewicht? Versteh mich nicht falsch, ich wünsche mir nur so sehr ein Enkelkind.“

Wilma schoss das Blut in ihren Kopf, so brodelte innerlich und war kurz davor, zu explodieren. Die dreiste Schwiegermutter erkannte ihren Fauxpas und war nun bemüht, die Sache schnell auf den Punkt zu bringen.

„Es tut mir leid, meine Liebe, ich meine das nicht so. Selbstverständlich könnt ihr euch mit dem Kinderkriegen noch Zeit lassen, bloß keine Eile, sieh du zu, dass du erst einmal einen vernünftigen Beruf ausübst.“

Wilma begann zu fauchen: „AAAHrrrgggg!!!“

„Bitte unterbrich mich nicht, wenn ich gerade im Redefluss bin. Also. Das, worauf ich eigentlich hinauswollte, hat nichts mit dieser Hochzeit zu tun, zumindest nicht vordergründig. Es geht um Tante Gitti, sie ist sehr erbost wegen deines Verhaltens.“

„Bitte??!! Was habe ich denn getan?“

„Bitte unterbrich mich nicht. Du hast dir vor langer Zeit ein Teeei ausgeliehen und es ihr bis jetzt noch nicht zurückgebracht. Es ist aus Gold und zudem ein Familienerbstück.“

Wilma begann zu lachen.

„Ich bitte dich, Kind, die Angelegenheit ist alles andere als amüsant.“

„Doch, das ist sie, sie ist so dämlich, dass man einfach lachen muss. Warte hier kurz.“

Die junge Frau sprintete zielstrebig zur Bar hinüber, schnappte sich ein Weizenglas und stellte eine wahllose Mischung aus herumstehenden Spirituosen zusammen. Diese trank sie in einem Zug leer, sprang wie eine Irre quer durch den Saal, wobei sie die Anmut eines übermütigen Rehkitz gepaart mit der Ästhetik einer Dampfwalze gekonnt zu verkörpern wusste.

Dann plötzlich stockten ihre Bewegungen. Sie schien sich kurzfristig für eine Planänderung entschieden zu haben. Auf direktem Weg lief sie auf die Bühne, schnappte sich das Mikrophon, deutete der Band an, die Musik einzustellen, und begann ihre Rede.

„Meine lieben Gäste, Freunde, Verwandten, Verschwägerten, Verbrüderten …. und auch alle anderen, die sich nicht angesprochen fühlen! Ich freue mich, dass ihr alle so zahlreich erschienen seid, um diesen wunderschönen Tag mit uns gemeinsam zu etwas Unvergesslichem werden zu lassen. Ich habe den Ernst meines Lebens gefunden und der Ernst seine Wilma Schreiben. Es gibt nun eine Sache, die einen kleinen Schatten auf die Feierlichkeiten wirft. Es ist bekannt, dass ich einen großen Schatten werfe, jedoch aus genau diesem Grund passe ich hervorragend in die Familie meines Mannes hinein. Wir sind alle kleine Moppelchen, ist das nicht wahr, meine liebe Schwiegermutter? Dafür kann ich mit Recht behaupten, dass sich die Größe meines Herzens proportional zu meinem Körpergewicht verhält. Ich besitze die Fähigkeit, Menschen zu vergeben, die mir etwas Böses wollen, bzw. hinter meinem Rücken über mich tratschen. Allerdings, um wieder zu dem Schatten zurückzukommen: Es gibt etwas, das ihr nicht über mich wisst. Ich bin nicht die, von der ihr glaubt, dass ich es bin. Ich bin die Doppelgängerin der echten Wilma Schreiben-Zwiebelfisch. Bitte hört euch meine Geschichte in Ruhe an und urteilt dann erst über mich. Ich bin das Opfer von intriganten und kriminellen Machenschaften. Alles begann mit einem Teeei, dem Teeei der Tante Gitti. Sie schenkte es der echten Wilma, vergaß jedoch aus Gründen, die ich netterweise auf ihr Alter schiebe, dass es ein Geschenk war und wollte es zurückfordern. Da das Teeei mit einem goldenen Schriftzug versehen war und es sich bei dem Gegenstand um ein Familienerbstück handelte, entschloss sich Wilma kurzerhand, das Teeei für viel Geld zu verkaufen und anschließend nach Argentinien zu flüchten. Dort lebt sie heute in Saus und Braus. Ich wurde unter Androhung des Todes gezwungen, in Wilmas Rolle zu schlüpfen und musste den Ernst des Lebens auf grausame Weise kennenlernen. Nun habe ich eine Frage an dich Schatz. Liebst du mich trotzdem?“

Mit ihren flinken Augen suchte Wilma jeden Winkel des Hochzeitssaals ab. Ernst war nicht zu finden. Sie riss einem Gast die Bierflasche aus der Hand, um ihre Unsicherheit zu verbergen und sich Mut anzutrinken. Da plötzlich hörte sie ein Schnarchen, das sie sofort wiedererkannte.

„Ernst“, schrie sie.

Die Blicke der Gäste richteten sich auf einen schnarchenden, sabbernden Mann, der in der Mitte des Raumes lag und friedlich vor sich hin döste. Die Menschenmasse entfernte sich von dem Bräutigam, so dass die falsche Wilma freie Sicht auf das ganze Elend hatte. Nach kurzem Überlegen gab sie der Band ein Zeichen, weiterzuspielen.

„Aber diesmal was Romantisches“, rief sie voller Begeisterung und mit Freudentränen in ihren Augen den jungen Männern zu.


Die Last mit den Weihnachtsgeschenken

Alle Dezemberwochenenden laufen, seitdem ich denken kann, nach dem gleichen Schema ab: Vom 01. bis zum 24. des Monats steigt die Zahl der in Fußgängerzonen und Geschenkläden umherirrenden Individuen und deren Verzweiflung proportional an, während die Besinnlichkeit am Tag vor Weihnachten ihren Tiefpunkt erreicht hat. Wer dann noch nach dem perfekten Geschenk für die Liebsten, die Schwiegermütter, Verschwägerten, Verschwipschägerten etc. sucht, dem steht ganz deutlich die Phrase: „Ich hasse Weihnachten“ auf sämtlichen sichtbaren Körperteilen geschrieben.

Die Reziprozität ist die große Bürde, die auf dem Konzept „Weihnachten“ lastet und es in Anbetracht seiner ursprünglichen Idee eines Festes der Liebe zu einer Farce verkommen lässt. Eine Bereicherung für die Konsumindustrie, eine Nervenprobe für den Bürger.

Auch meine Eltern stellen sich seit Jahren der großen Herausforderung, meinen Großeltern sinnvolle Weihnachtsgeschenke zu machen und der damit einhergehenden Frage: „Womit kann man älteren Leuten, die nach eigener Bekundung schon alles haben, was sie brauchen, eine Freude bereiten?“

Dieses Jahr ist alles vermeintlich einfacher. Meine Oma hat tatsächlich einen Wunsch geäußert, nachdem sie an die 20 Jahre beteuerte, schon alles zu haben und nichts zu wollen.

Sie möchte einen neuen Kassettenspieler.

Da sag ich nur danke, liebe Oma, dass du uns bei der Suche nach Weihnachtsgeschenken dieses Jahr so ungemein entgegenkommst.


Wie bewirkt man einen Rausschmiss aus dem „sozialen“ Netzwerk Facebook? – Ein Selbstversuch (Teil 1)

Vor kurzem habe ich ein mehrtägiges, wenn nicht mehrwöchiges exklusives, d.h. nur an meiner Wenigkeit getestetes Experiment ins Leben gerufen, welches das eine große Ziel verfolgt: eine Zwangslöschung oder -sperrung meines Accounts bei Facebook.

Die Regeln sind simpel, die Umsetzung dürfte jedoch umso anspruchsvoller sein:

– Die Richtlinien der facebookinternen AGBs müssen zu jedem Zeitpunkt beachtet und befolgt werden, d.h. es dürfen keine expliziten Beleidigungen, Drohungen, pornographischen Inhalte etc. gepostet werden.

– Ich darf niemanden damit beauftragen, mich bei Facebook anzuschwärzen.

Anmerkung:

Sicherlich wird es eine heikle Gratwanderung zwischen Erlaubtem und Verbotenem werden, denn jeder Nutzer verpflichtet sich zum Beispiel dazu, wahre Angaben über seine Person zu machen. So könnte eine Namensänderung in ein Synonym schon als Verletzung der Nutzerbedingungen gewertet werden.

 

Was ich beweisen möchte:

Es geht mir in dem Selbstversuch darum, die Toleranz des Unternehmens durch die expressive Manifestation einer Meinung, die sich nicht mit den Interessen der Betreiber deckt, auszureizen. Ich möchte verdeutlichen, dass Facebook keinesfalls eine Plattform der freien Meinungsäußerung und -bildung ist, sondern eine Interessengemeinschaft, die auf ihre eigenen Vorteile (finanzieller Art) fixiert ist und deren Maßnahmen sich an der Grenze zur Illegalität bewegen.

In erster Linie ist das „soziale“ Netzwerk eine raffiniert verpackte Maschinerie, die persönliche Daten erfasst und kommerziell nutzt. Wer einmal den Nutzerbedingungen zugestimmt hat, kommt meist nicht ohne Schaden aus der Community wieder heraus. Facebook behält sich das Recht vor, die Daten bis zum Sankt Nimmerleinstag aufzubewahren, denn sie sind die Währung, mit der das Unternehmen jährlich Milliardenumsätze erzielt.

Seit 2 Jahren gerät Facebook Inc immer mehr in den Fokus öffentlicher Kritik, die Mitgliederzahl nimmt dennoch stetig zu. Mittlerweile nutzen 500 Millionen Menschen das Soziale Netzwerk regelmäßig, das ist mehr als die Einwohnerzahl Südamerikas und macht ca 7.24 Prozent der Weltbevölkerung aus.

Es wird Zeit, den Blick für die Gefahren zu schärfen, die web-basierte soziale Netzwerke mit sich bringen können (nicht jedoch müssen, denn ich möchte ausdrücklich nicht alle Communities anprangern) und die Privatsphäre als ein Privileg der modernen Welt zu schätzen, anstatt sie leichtfertig zu verspielen.

 

1. Tag:

Ich knüpfe an die Problematik der vor wenigen Tagen publik gewordenen kurzzeitigen Zwangszensur des Wortes Lamebook durch Facebook an,  hier detaillierter nachzulesen, und mache von meiner Meinungsfreiheit, die Facebook angeblich so groß schreibt, Gebrauch.

Am 24. November 2010 gegen 16.00 Uhr habe ich folgende, durch rote Umkreisungen gekennzeichnete Änderungen an meinem Profil vorgenommen:

Ich habe meinen Benutzernamen in „Lame Book“ umgeändert und sowohl auf meiner Pinnwand als auf in dem linken oberen Kästchen, welches die momentane Aktivität beschreibt, den Kommentar „Lamebook“ gepostet.

Reaktion von Facebook: bisher keine.

 

 

Erläuterung:

Lamebook ist ein Parodieblog, das lustige Dialoge, Fotos, Statusmeldungen etc. aus der Facebook Community aufgreift und zur Diskussion stellt. Die Seite existiert seit April 2009 und befindet sich seit kurzem im Rechtsstreit mit Facebook Inc.

 

 

Exkurs:

 

Was Facebook und Co so attraktiv macht:

Facebook ist aus dem Leben vieler, vor allem junger Menschen auf der ganzen Welt nicht mehr wegzudenken. Laut Angaben des Betreibers greifen rund die Hälfte der insgesamt 500 Millionen aktiven Nutzer täglich auf ihren Account zu. Das soziale Leben vieler Mitglieder verlagert sich somit zunehmend ins zentralisierte, übersichtlich strukturierte Web 2.0, in dem jeder Akteur die Person darstellen kann, die er immer schon zu sein hoffte und seine Freunde und Liebsten in unmittelbarer Nähe wähnt, während Unangenehmes ausgegrenzt bzw. blockiert wird. Es wird eine multimediale, utopische Pseudorealität geschaffen, in der Fiktives und Reales so stark miteinander verschmelzen, dass der User Erfahrungswerte im Web mit denen des gesellschaftlichen Lebens gleichsetzt. Anders gesagt: Die Interaktionen im Netzwerk ersetzen diejenigen des alltäglichen Lebens und lassen den Nutzer vergessen, dass er de facto nur am Schreibtisch sitzt und sich von der Außenwelt abschottet, anstatt an ihr teilzuhaben.

Ein ähnliches Phänomen ist bei Multiplayer-Online-Rollenspielen oder den längst überholten Chaträumen festzustellen, mit dem Unterschied, dass die Strategie von Facebook Inc darin besteht, den Menschen in einer familiären und vermeintlich privaten Atmosphäre so viele persönliche Daten wie möglich zu entlocken; d. h. hier wird mit der Ressource „Mensch“ Handel betrieben. Tatsächlich lässt sich der Nutzer bedenkenlos kommerziell ausschlachten, legt im Netz einen Daten- und Seelenstriptease ohnegleichen hin, während er bei Familienfesten lächelnderweise die Contenance bewahrt und sich in das bestmögliche Licht rückt.

Sicherlich, auch das Web 2.0 ist eine Bühne der Eitelkeit, der Selbstinszenierung, in der jeder hinzugefügte Kontakt der Aufwertung der eigenen Person dient, jedes hochgeladene Foto als Beweisobjekt eines erfüllten und bewegten Lebens fungiert und nicht alles für bare Münze genommen werden kann und darf. Zugleich ist es aber auch ein Kummerkasten, eine Projektionsfläche der eigenen Gedanken, Stimmungen und Ängste, die im realen Leben unausgesprochen bleiben, da sie dem gesellschaftlichen Konsens nicht entsprechen und als Schwäche gewertet würden.

Bei Facebook und Co sind solche intimen Ergüsse jedoch mehr als erwünscht und führen keineswegs zu Ablehnung. Im Gegenteil: Der Einzelne wird für die Offenheit, mit der er über seine Sorgen spricht, bewundert und mit Verständnis und Trost belohnt. Es entsteht eine vermeintliche Intimität und Vertrautheit, die außerhalb des Webs nur in privaten Gespräche unter sehr vertrauten Menschen zu erzielen ist. Eine Illusion, denn der Nutzer kreiert sich seine eigene heile Welt, die viel Raum für Phantasie und Eigeninterpretation lässt. Eine Konversation via Facebook-Nachrichtendienst oder -Chat zum Beispiel kann niemals eine Face-to-face-Kommunikation ersetzen, denn Mimik, Gestik und Intonation sind elementare Hilfsmittel, um eine eindeutige Botschaft zu vermitteln.

Auch bestimmt der Aspekt der Selbstinszenierung wesentlich die Interaktion im sozialen Netzwerk. Wer einen Kommentar auf die Pinnwand eines Freundes postet, der ist erstens auf Reziprozität bedacht, indem er erwartet, dass er eine Antwort in Form eines Eintrags auf der eigenen Seite erhält (was wiederum sein Profil aufwertet) und möchte zweitens mit dem Geschriebenen auf sich aufmerksam machen, d.h. möglichst viele interessante Details über sich implizit oder explizit preisgeben. Dies kann durch inhaltliche Anmerkungen geschehen (z.B. „Du warst im Skiurlaub? Ich fahre auch regelmäßig ins Skigebiet Ischgl!“) oder, indem Mitgefühl, Mitfreude etc. zum Ausdruck gebracht und somit die enge Bindung zwischen beiden Personen demonstriert wird. („Du bist krank? Oh, das tut mir leid, du Arme. Fühl dich gedrückt.“)

Jeder User möchte also ein möglichst günstiges Feedback erhalten und erreicht dies, indem er sich an dem simplen Belohnungssystem, auf dem soziale Netzwerke aufbauen, orientiert: Je aktiver er den angebotenen Service (Pinnwandeinträge, Nachrichtendienst, Chatdienst, Verlinkungssystem, um nur einige aufzuzählen) nutzt, umso mehr Kommunikationsverkehr wird sich in Bezug auf die eigene Profilseite einstellen. Er kann also nie enttäuscht werden, denn das Maß an erhaltener Bestätigung hängt von seinem eigenen Handeln ab. Somit ist die Cyberrealität um ein vielfaches übersichtlicher, gerechter und vorhersehbarer als die gesellschaftliche Interaktion es je sein kann.

 

Die Kehrseite der Medaille:

Die sozialen Netzwerke bedienen das Bedürfnis jedes Einzelnen nach Intimität, Akzeptanz der individuellen Persönlichkeit und sozialen bzw. seelischen Kuscheleinheiten, doch warum und um welchen Preis?

Ist die fehlende Menschlichkeit und die Auflösung der sozialen Strukturen in der Welt die Basis, auf der Internet Communities wie Facebook zu einem weltweiten Massenphänomen wurden? Fehlt es den Menschen an Möglichkeiten, sich in der Gesellschaft selbst zu verwirklichen und als Individuum zu behaupten?

Offenbar hat Facebook Inc, welches das erste soziale Netzwerk des sogenannten Web 2.0 entwickelte, eine Marktlücke entdeckt und gnadenlos ausgeschöpft. Das Suchtpotential solcher Communities ist hoch und nicht zu verachten. Hat der Nutzer einmal das Belohnungssystem verstanden und an ihm Gefallen gefunden, verlangt es ihn nach der täglichen Dosis Selbstbestätigung, um deren Willen er freizügig und fahrlässig mit seinen Daten umgeht.

Mark Zuckerberg, der Begründer des gigantischen Online-Netzwerks, konstatierte Anfang des Jahres, dass das Konzept „Privatsphäre“ im Facebook-Zeitalter überholt sei (hier nachzulesen). Eine Rechtfertigung für die Lockerung der Privatsphäreeinstellungen, die er Ende 2009 vornahm? Weitere Änderungen folgten.

Der Protest von Seiten der Nutzer ist bedingt vorhanden, leistet jedoch der Mitgliederzahl keinen Abbruch:

Offenbar toleriert man den Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, denn er scheint das kleinere Übel zu sein gegenüber dem Austritt aus dem Netzwerk. Schließlich will man nicht zerstören, was man sich mühevoll über die Jahre hinweg aufgebaut hat, könnte man doch am Ende all die lieb gewonnen Freunde aus den Augen verlieren.

 

 

Ausblick auf Teil 2:

– Wieso sollte es Facebook interessieren, was ich als Einzelner auf meine Pinnwand poste?

– Wo bitteschön ist der Knopf zur Löschung meines Accounts versteckt und gibt es eine zeitsparendere Alternative?

– Wen hat Facebook eigentlich noch verklagt?

 


Scream the rain away!

„Der Schrei“ von Edvard Munch
Werdegang:
- 1 Mal geklaut
- 1 Mal mit dem Messer attackiert

Standort:
Munch-museet Oslo

                                          ©introspektrum

"Der untote Schrei"

Werdegang:
- NOCH nicht geklaut, ABER 1 Mal verlegt
- 0 Mal mit dem Messer attackiert, ABER von der Kaffeetasse gemobbt
- 1 Eselsohr, das zweite ist in Arbeit

Standort:
Unter Brotkrümeln auf meinem Schreibtisch

What would Shakespeare say?

Manchmal brennt mir die Frage unter den Nägeln, was passieren würde, wenn berühmte Persönlichkeiten, die in der Zeit vor der Moderne wirkten, aus ihren verrotteten Gräbern auferstünden und einen Fuß auf die Erde setzten. Ich meine nicht, was mit uns passieren würde, denn wir würden ihre Präsenz höchstwahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen, sondern mit diesen bedauernswürdigen anachronistischen Gestalten, die sich womöglich in einem anderen Universum wähnten.

Würden sie, nach dem überwundenen Kulturschock (sofern von Kultur überhaupt die Rede sein kann) glauben, dass die Welt aus den Rudern geraten wäre oder könnten sie mit Stolz behaupten, dass ihr Einfluss noch immer sichtbar sei und er die Welt in einen wertvolleren Lebensraum verwandelt habe?

Hält man sich die Standardaussage der meisten Senioren („Früher war alles besser.“) vor Augen, bleibt eine verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit bestehen, dass die untoten Tattergreise nur ein einziges gutes Haar an unserer Lebensform lassen würden.

Wie dem auch sei, eines weiß ich sicher: Shakespeare würde sich darüber freuen, dass seine plays noch heute auf den Theaterbühnen der Welt aufgeführt werden. Könnte ich einen Tag mit dem Genie verbringen, würde ich ihm ganz bestimmt, aus Rücksicht auf seine Blutdruckwerte, (oder was weiß ich, mit welchen Gebrechen Untote zu kämpfen haben) verheimlichen, dass Generationen von Schülern es als Qual empfinden, seine Werke zu lesen und zu interpretieren.

Ich würde ihn an die Hand nehmen und mit einem verschmitzten Grinsen ankündigen:

„I`m gonna scare the hell out of you. Just watch what mankind has achieved.“

Ich werde über jeden Zweifel, dass er meine moderne amerikanische Gossensprache nicht versteht, erhaben sein und ihm die technischen, kulturellen und sozialen Errungenschaften meiner Epoche näher bringen. Mit viel Glück entlocke ich ihm ein gefälliges Nicken.

Er wird mir viele Fragen über den Nutzen von Gesellschaftsstrukturen, politischen Systemen, elektrischen Geräten oder Gegenständen, die wie selbstverständlich Teil unserer Welt sind, stellen und ich werde mir die größte Mühe geben, sie zu seiner vollen Zufriedenheit zu beantworten. Mit jeder erörterten Frage wird meine Nervosität wachsen, da ich mir bewusst bin, dass sich nicht jedes Phänomen der modernen Welt hinreichend erklären lässt.

Und dann kommt sie, die niederschmetternde Frage…

Wir betreten eine bekannte Buchhandelskette und Shakespeare schmökert in seinen Werken, die er als Reklamausgabe in der Abteilung der literarischen Klassiker gefunden hat. Er hält einen Diskurs über die große Errungenschaft der Buchdruckkunst. Wir stellen uns an der Kasse an, vor uns warten Menschen, die Dekoartikel in Händen halten. Shakespeare wirft ihnen einen herablassenden Blick zu, und flüstert mir zu:

„I thought illiteracy isn`t an issue any more in the modern world.“

Ich zucke mit den Schultern und entgegne ihm:

„No, it isn`t. They know how to read, they just feel like decorating their homes.“

Shakespeare beweist Humor, indem er in schallendes Gelächter ausbricht. Als wir zur Kassiererin gebeten werden und das Literaturgenie es mir überlässt, die Gesamtwerkausgaben von 15 englischsprachigen Autoren zu bezahlen und ich ihm gerade verklickern will:

„You confuse me with somebody who has money.“

nimmt das Grauen seinen Lauf. Die hervorragend geschulte Angestellte wedelt mit einem Werbeprospekt vor unseren Nasen herum und erklärt uns mit einem unvergleichbaren Glänzen in ihren Augen, dass der e-Reader am darauffolgenden Montag exklusiv in dieser Buchhandelskette zu erwerben sei und ob wir schon einen vorbestellen wollen. Shakespeare erbleicht auf der Stelle. Um den Schein zu wahren, frage ich sie höflich, was es denn mit einem e-Reader auf sich habe.

„Der e-Reader, den es für den Spottpreis von 139 Euro zu kaufen gibt, ist ein digitales Buch mit Touchscreen, auf dem Sie komplette Bücher hochladen und lesen können.“

entgegnet es wie aus der Kanone geschossen. Ich frage, ob die Bücher kostenlos hochgeladen werden können. Sie antwortet, dass sie etwas billiger als die gedruckten Bücher seien. Ich verkneife mir einen Kommentar und bezahle die ausstehende Rechnung.

Beim Verlassen der Buchhandlung bemerke ich, wie sich der Brite verwirrt an der Schläfe kratzt. Die Situation ist nicht mehr zu kitten. Eine bedrohliche Enge liegt in der Luft, die mir die Kehle zuschnürt. Ich ringe nach Luft. Meiner Gesundheit zuliebe entschließe ich mich dazu, das Unvermeidbare zu beschleunigen.

„What is wrong?“

frage ich meinen Begleiter.

Er räuspert sich, sucht mit seinen durchdringenden Augen den Blickkontakt zu mir, während alles auf die eine niederschmetternde Frage hinausläuft:

„What on earth do you need an e-book for?“

Ich ringe nach Atem. Er insistiert:

„What kind of idiot would prefer such a thing to a printed book?“

Ich sacke in mir zusammen, in Sekundenschnelle verliere ich den Glauben an die Fortschrittlichkeit der Menschheit seit Erfindung des Buchdruckes, die Zuversicht darin, dass es für alles auf der Welt eine logisch nachvollziehbare Begründung gibt.

Ich ergebe mich der Paradoxie und Inkohärenz menschlichen Waltens auf Erden und antworte ihm als gebrochenes, desillusioniertes Menschenkind:

„I have not the slightest idea.“


Indian Summer in the City

 

Selten habe ich so viel Gefallen an dem Farbenspiel des Herbstes gefunden wie in diesem Jahr.

Let it fall, let it fall, let it fall, lalala…

 

 

 


Die Welt aus der Sicht eines Freikirchlers

Guten Tag,

mein Name ist Paul. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch, ein Freikirchler, um genau zu sein. Ich wache jeden Morgen mit einem Gebet auf und gehe mit dem Segen Gottes ins Bett. Letzterem verdanke ich nicht nur meiner Gläubigkeit, sondern auch der Angehörigkeit zur richtigen Glaubensgemeinschaft.

Unsere Gemeinde hat sich von einer kleinen Brüdergemeinde, die lediglich in der mittelhessischen Region vertreten ist, abgespalten, welche wiederum eine Abspaltung einer Abspaltung der ursprünglichen Abspaltung von der evangelisch-lutherischen Kirche darstellt. Was soll ich sagen, wir sind eine kleine Gemeinde und demzufolge darf ich Ihnen die erfreuliche Mitteilung überbringen, dass noch genügend Platz im Himmel für Sie alle zur Verfügung steht : )

Allerdings bedeutet dies auch, dass wir auf kleine Spenden unserer Gäste angewiesen sind. So gehört es bei uns zum guten Ton und stellt zugleich eine Bereicherung für die Allgemeinheit dar, dass unsere besonders gläubigen und gutherzigen Mitglieder ihr Hab und Gut der Gemeinde vermachen (Häuser, Lebensversicherungen etc.), ihren vom Glauben abgekommenen Kindern aber dennoch den Pflichtanteil vom Erbe zugestehen.

Die Nächstenliebe hat in unserem Leben höchste Priorität. So beten wir oft und gerne für die Ungläubigen, denen wir im alltäglichen Leben begegnen, und bitten Gott, ihnen den Weg zum ewigen Leben zu erleichtern. Wir sind offen und freundlich gegenüber neuen Gesichtern in unserer Gemeinde. Um in unseren Kreis aufgenommen zu werden, müssen sich die Anwärter jedoch zunächst bewährt haben, d. h., nur wer ein gotteswürdiges Leben führt und Jesus in sein Herz gelassen hat und unsere Glaubensdoktrinen als einzige Wahrheit akzeptiert hat, der wird Teil unserer Gemeinde sein.

Wir verstehen uns nicht als missionierende Gemeinde. Alles, was wir uns erhoffen, ist, dass die Menschen in unserem Umfeld aufgrund der guten Argumente, die wir ihnen vorbringen, freiwillig zu unserem Glauben übertreten. Dabei ist es wichtig, auch tolerant gegenüber denjenigen zu sein, die dem falschen Glauben angehören und ein sündenerfülltes Leben führen.

Ein aus dem Leben gegriffenes Beispiel, das unser Pfarrer oft und gerne in seinen Predigten aufgreift, ist die Bekehrung eines Sünders, der sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlte. Er erkannte, dass seine Handlungen moralisch verwerflich und widernatürlich waren, und schaffte es mit Gottes Hilfe – durch intensives Beten – ein normales Leben führen zu können. Heute ist er glücklich verheiratet und hat 4 Kinder. Seine Frau hat ihm verziehen.

In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass es uns nicht darum geht, den Menschen zu verändern. Jeder Mensch ist ein Individuum und muss als solches respektiert werden. Wir können ihm lediglich dabei helfen, der Mensch zu werden, den Gott aus ihm machen möchte.

Wir Gemeindemitglieder verfolgen genaue Richtlinien in unserem Leben, die der heiligen Bibel entnommen sind und die jeden Sonntag im Gottesdienst von unserem Prediger affirmiert werden. Mir persönlich beschert es innere Zuversicht und Frieden, auf der richtigen Seite zu stehen, und ich halte mir gerne den Spruch vor Augen: „Wenn Gott mit dir ist, wer kann dann gegen dich sein?!“

Hier eine Auflistung der bedeutendsten Glaubensdoktrinen in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit nebst Erläuterungen:

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1) Es darf kein vorehelicher Sex praktiziert werden.

Die Frau muss keusch und unerfahren in die Ehe gehen, denn die Jungfräulichkeit ist ein Geschenk Gottes, das nur einmal im Leben einem Mann dargebracht werden kann. Der Mann sollte möglichst auch jungfräulich in die Ehe gehen. In der Ehe selbst darf der Geschlechtsakt nur mit dem Ehepartner durchgeführt werden. Der Mann zeigt der Frau, wie sehr er sie liebt, indem er sich für sie aufhebt. Einen besseren Liebesbeweis kann es nicht geben. So stellt die Ehe für uns Freikirchler einen größeren Anreiz dar als für Menschen, die in wilder Ehe leben und sich womöglich nach Jahren wieder trennen, weil sie feststellen, dass sie nicht zueinander passen.

Wir dürfen erst nach der Eheschließung eine gemeinsame Wohnung beziehen und heiraten meist sehr früh, da wir es nicht erwarten können, dem Partner zu zeigen, wie sehr wir ihn lieben. Unsere Ehen halten ein Leben lang, denn sie sind von Gott gesegnet worden. Scheidungen werden nicht gerne gesehen und führen zum Ausschluss aus der Gemeinde.

2) Kein Sex vor der Ehe

Beachtet diesen Grundsatz bitte, traut euch, eure Triebe einzudämmen, mit Gottes Hilfe werdet ihr dies schaffen.

3) Nun haltet euch bitte zurück!

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Wir haben viele junge Mitglieder in unserer Gemeinde. Diese haben alltägliche Probleme, die sich nicht wesentlich von denen der ungläubigen Menschen unterscheiden. Der Unterschied besteht lediglich in dem Lösungsansatz, der bei unseren Gemeindemitgliedern christlicher Natur ist.

Samuel-Arvid z. B. hatte lange Zeit mit der Frage zu kämpfen, ob es unchristlich sei, sich tätowieren zu lassen. Die Problematik hatte ihn beinahe an den Rande eines Glaubenskonfliktes gebracht. Was tat er? Er handelte einen Deal mit Gott aus, der besagte, dass er nur Motive wählen würde, die einen biblischen Kontext aufweisen. Heute schmückt die Darstellung des Exodus seinen Rücken und ein Herz mit der Inschrift „I love Jesus“ seinen muskulösen Oberarm.

Lilith-Hortensia bekam einen Heiratsantrag von dem schüchternen, etwas unattraktiven Bartolomeo Joel Maxim. Sie war sich nicht sicher, ob sie den Bund der Ehe eingehen sollte, unter anderem, weil sie den jungen Mann kaum kannte. Was tat sie? Sie wartete auf ein Zeichen Gottes und erhielt es in Form eines Traumes. Heute sind die beiden glücklich miteinander verheiratet.

Ich kann Menschen nicht verstehen, die uneinig mit sich selber sind und dies zum Ausdruck bringen, indem sie die Welt als von Falschheit und Gewalt geprägt darstellen. Ich persönlich deute Naturkatastrophen und Einzelschicksale als den Willen und die Strafe Gottes. Mir kann jedoch nichts passieren, denn ich bin ein gläubiger Mensch. Und sollte mir im Diesseits etwas Schlechtes widerfahren, so nehme ich dies als gegeben hin und vertraue darauf, dass ich im Jenseits die Belohnung für die weltlichen Schmerzen erhalten werde.

Warum sollte man das Leben unnötig verkomplizieren. Alles ergibt einen Sinn. Es gibt kein Schicksal, jeder kann sein Leben selbst lenken. Falsche Handlungen führen zu negativen Konsequenzen. Wer Gottes Wort befolgt, dem wird nichts passieren, der wird im Einklang mit sich selber stehen, denn er kennt die Wahrheit. Gott ist da draußen. Gott ist überall. Bete und du wirst errettet.

So ist es George W. Bush ergangen. Er hat zu Gott gefunden und ist als Belohnung amerikanischer Präsident geworden.

Also bitte, stellt das Leben nicht komplizierter dar als es ist. Lebt euer Leben in Einklang mit Gott und ihr werdet über jeden Selbstzweifel und alle Widersprüchlichkeiten des Lebens erhaben sein. Auf alles gibt es eine Antwort. Lest die Bibel, sie ist Gottes Wort, und zwar 1 zu 1. Moses hat sie verfasst auf der Grundlage von göttlichen Träumen. In diesem Sinne:

Gott segne euch.

Göttliche Grüße

Paul

Anmerkung der Autorin:

Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

 


Yes yes yes you can!

 

 

Für kurze Zeit wieder käuflich zu erwerben – die Yes-Törtchen von Nestlé in den Geschmacksrichtungen Cacao und Caramel.

 

Leider muss ich mir eingestehen, dass die anfängliche Euphorie, die ich beim Entdecken dieses Produktes heute im Supermarkt verspürt hatte, größtenteils schon verflogen ist, zumindest was das geschmackliche Erlebnis angeht. Dennoch ist der nostalgische Wert dieses Produktes für mich persönlich die 1.29 Euro pro Packung wert gewesen. Auch bin ich um die unbezahlbare Erkenntnis reicher geworden, dass die Fernsehwerbung meine Kreativität stark gefördert hat. Gar nicht auszudenken, was für ein ideenarmer Mensch ich heute wäre, wenn ich nicht schon im Kindesalter mit Begeisterung Werbespots rezipiert und rezitiert hätte. Wäre dieses Worst-case-Szenario eingetreten, hätte ich mit Sicherheit nicht das Bedürfnis verspürt, eine Geburtstagskerze in eines der Yes-Törtchen zu stecken, wo ich doch rein niemanden kenne, der heute tatsächlich Geburtstag hat.

Bei weiterführenden Recherchen ist mir ein neuer Gedanke gekommen und ich habe schnell mal den Taschenrechner zur Hand genommen und eine Rechenaufgabe daraus konzipiert.

 

Fragestellung:

Proband A konsumiert exakt 0,5 Liter Weinbrand, bevor er das Haus verlässt, um feiern zu gehen. Ein Yes-Törtchen der Geschmacksrichtung Caramel wiegt 32 Gramm und hat einen Alkoholanteil (Weinbrand) von 0.25 Prozent (Quelle: http://www.wdr.de).  Wie viele Yes-Törtchen müsste Proband A konsumieren, um die gleiche Menge Alkohol wie beim Akt des konventionellen Vorglühens zu sich zu nehmen?

Lösungsweg:

Ein Caramel-Yes-Törtchen enthält 0.25 Prozent Weinbrand von 32 Gramm.

32 * 0.25/100 =  0.08 Gramm Weinbrand pro Törtchen, das sind 0.08 ml

500 ml/0.08 ml= 6250

Lösung:

Proband A muss 6250 Yes-Törtchen in der Geschmacksrichtung Caramel verputzen, um 500 ml Weinbrand zu sich genommen zu haben.

Wohl bekomm`s. : )

 

Bedenken bzw. mögliche Fehlerquellen:

Um nicht zwischendurch wieder auszunüchtern, muss Proband A zügig und möglichst mit Verzicht auf Pausen die Törtchen essen, er sollte nicht länger als 2 Stunden benötigen, damit sich für ihn das Ausgehen noch lohnt. Proband A sollte zudem über gute Blutwerte verfügen und von einem Mediziner-Team rund um die Uhr überwacht werden. Es wird Probanden A nahegelegt, nach Beendigung des Experimentes eine Abmagerungskur durchzuführen sowie sich Sponsoren für sein Projekt zu organisieren.

(6250/3= 2083.33 * 1.29 Euro = 2687.5 Euro)

 

Randbemerkung an Probanden A:

„Yes yes yes you can!!!“