Goethe babbelt hessisch

Es ist gemeinhin bekannt, dass absolut niemand auf der Welt in absolut nichts perfekt ist. So viel zu der niederschmetternden Botschaft des Tages und nun zu der aufbauenden:

„Niemand ist perfekt und vor allem der Hesse nicht.“



Kurze Pflichtbelehrung an den Leser: 
Das Zitat ist urheberrechtlich geschützt gemäß § 2 des HsSB G (Hessen sind Spaßbremsen Gesetz)

So ist die Vorzeigefigur der deutschen Literaturgeschichte, das Allround-Genie schlechthin, von einem Schönheitsfehler der besonderen Art beseelt: Dem hessischen Akzent.

Das ultimative Beweisobjekt: Faust- Der Tragödie erster Teil, welches zusammen mit Faust- Der Tragödie Zweiter Teil als Johann Wolfgang von Goethes Hauptwerk gelten mag. Die Bemühungen des gebürtigen Frankfurters, einen schriftdeutschen, über die regionalen Grenzen hinaus verständlichen Schreibstil zu verfolgen, haben nicht immer zu einem fruchtbaren Ergebnis geführt.

Es steht außer Frage, dass Goethe im Falle der nachfolgend zitierten Verse auf die Konsultierung eines Reimlexikons gänzlich verzichtete:

„Ach neige,

Du Schmerzensreiche“  (Szene: Zwinger)

hessische Phonologie: „Ach neische, du Schmerzensreische“

Nicht auszudenken, wie Goethe reagiert hätte, wenn er sich der Tatsache bewusst gewesen wäre, dass er dem engelsgleichen Gretchen einen unreinen Reim in den Mund gelegt hatte. Wir können nur Mutmaßungen anstellen, im schlimmsten aller Fälle hätte er in Ermangelung eines Ersatzreimes die Veröffentlichung des Faust womöglich an den Nagel gehängt. Insofern ist die Tatsache, dass Goethe gebürtiger Hesse war, Makel und Segen zugleich. Also bitte, dass sich niemand mehr über den hessischen Dialekt echauffiert oder mokiert. Nicht zuletzt wird es der literaturbegeisterte Leser zu würdigen wissen, dass sich das Genie der enormen Herausforderung stellte, seinen außerordentlich reimfähigen Heim-Dialekt, der kaum harte Konsonanten kennt und sich so weich wie Butter ausspricht, zugunsten des störrischen und unverschämt reimarmen Standartdeutschen abzulegen.

Des Weiteren haben sich zweifelhafte grammatikalische Strukturen der hessischen Mundart in Faust 1 verewigt:

„Da steh ich nun, ich armer Tor!

Und bin so klug als wie zuvor;“  (Szene: Nacht)

Die Formulierung „als wie“ verleiht dem werkeigenen Aphorismus „Es irrt der Mensch, so lang er strebt“ (Szene: Prolog im Himmel) eine ganz neue Dimension. Sicherlich, ein poetischer Wert ist ihr nicht abzusprechen, das ändert jedoch nicht das Geringste daran, dass sie im hohen Maße grammatikalisch inkorrekt ist.

Natürlich müsste Faust lamentieren: „Und bin so klug wie zuvor.“, doch wie würde das auf den Leser wirken? Fad und gewöhnlich.

Apropos, um den Spekulationen bezüglich der höheren anthropologischen Bedeutung von Goethes letzten Worten „Mehr Licht“ ein Ende zu setzten:

Das Genie wollte nicht etwa der Nachwelt eine grandiose Lebensweisheit vermachen, sondern einfach nur zum Ausdruck bringen, dass ihm sein Allerwertester juckt. Er war zu schwach, um seinen letzten Satz bis zum Ende ausformulieren, der wie folgt lauten sollte:

„Määr licht hier so schläscht.“


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